Maltersack

Maltersack

Bezeichnung: Maltersack aus der Schlossmühle
Inventarnummer 4280
Herkunft: Hans Maurer, Münsingen (2006)

Zweck und Funktion
Mit Malter wird ein Hohlmass für Getreide bezeichnet. Beim Umfang eines Malters bestanden regional beträchtliche Unterschiede – von 130 bis 360 Liter. Praktisch überall wurde aber ein Malter in 4 Mütt unterteilt.

Bezug zu Münsingen
1849 bewiligte der Staat dem damaligen Schlossbesitzer Johann Ulrich Röthlisberger den Bau einer Mühle als Anbau zur Chueschüür. Die Mühle war bis Ende September 1981 in Betrieb. Bis 1964 nutzte sie die Wasserkraft eines vom Grabenbach abgeleiteten unterirdischen Kanals, der in einen heute nicht mehr existierenden Weiher unterhalb der Käserei mündete. Der Antrieb erfolgte seinerzeit durch ein oberschlächtiges Wasserrad von 9.3m Durchmesser. Das Wasserrecht wurde 1975 gelöscht. Die Objekte 4274...4279 (im gleichen Fach) stammen ebenfalls aus der früheren Schlossmühle. Diese Werkzeuge wurden zur Bearbeitung von Mühlsteinen verwendet.

Quellen
•        Dokumentensammlung im Museumsarchiv aus dem Nachlass des letzten Müllers
         (Emil Mäder): 27032
•        Archiv Amt für Wasser und Abfall Kanton Bern
•        www.daniel-stieger.ch/masseinheiten.htm#anfang
•        www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D13751.php?topdf=1 

Verweise
Ortsgeschichte S. 379, 402.

Varia
Bis ins 19. Jh. wurden Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Salz nicht gewogen, sondern ausgemessen. Als Messinstrumente dienten Hohlmasse, sog. Dürr- und Trockenmasse. In einigen Gebieten (Aargau, Inner- und Ostschweiz) verwendete man für entspelztes (glattes) und unentsprelztes (rauhes) Getreide unterschiedliche Masse. In keinem andern Bereich blieb die Vielfalt der Masse so gross, denn die Reformen der Obrigkeiten trafen in den Kornbauregionen auf den Widerstand der Landbevölkerung, die von Änderungen eine heimliche Erhöhung der Bodenzins- und Zehntabgaben befürchtete. Eine Vereinheitlichung gelang dann in Gebieten, die von städtischen Getreidemärkten abhingen, so im Berner Oberland, in der Innerschweiz und in Graubünden.